Sportpädagogik
Pädagogische Einordnung
und Begründung
Einige zentrale Zitate aus der Einleitung zur Bedeutung des Spiels in der Erziehung
Wenn das größte
Geheimnis der Erziehung darin besteht, daß die Übungen des Geistes
und des Körpers sich gegenseitig zur Erholung dienen, so sind Spiele, besonders
Bewegungsspiele sowie Leibesübungen überhaupt, unentbehrliche Sache.
Um die Herzen der Kinder
zu gewinnen, spiele man mit ihnen; der immer ernste, ermahnende Ton kann wohl
Hochachtung und Ehrfurcht erwecken, aber nicht so leicht das Herz für natürliche,
unbefangene Freundschaft und Offenherzigkeit aufschließen. Am offensten
ist man immer nur gegen seinesgleichen; die eigentümliche Gesinnung der
Älteren und der höheren Klasse machen uns zurückhaltender, darum
gesellt sich gleich so gern zu gleichem.
Spiele sind wichtige Kleinigkeiten;
denn sie sind zu allen Zeiten, unter allen Völkern, bei jung und alt Bedürfnisse
gewesen, weil Freude und Vergnügen zur Erholung von Arbeit...sind.
„Spielen", sagt der unvergleichliche Wieland, „ist die erste
und einzige Beschäftigung unserer Kindheit und bleibt uns die angenehmste
unser ganzes Leben hindurch. Arbeiten wie ein Lastvieh ist das traurige Los
der niedrigsten, unglücklichsten und - zahlreichsten Klasse der Sterblichen;
aber es ist den Absichten und Wünschen der Natur zuwider. - Die schönsten
Künste der Musen sind Spiele, und ohne die keuschen Grazien stellen auch
die Götter, wie Pinda singt, weder Feste noch Tänze an. Nehmt vom
Leben hinweg, was erzwungener Dienst der eisernen Notwendigkeit ist; was ist
in allem übrigen nicht Spiel? Die Künstler spielen mit der Natur,
die Dichter mit ihrer Einbildungskraft, die Philosophen mit Ideen, die Schönen
mit unseren Herzen und die Könige, leider! - mit unseren Köpfen!"
Ich habe gesagt, Spiele
seien wichtige Kleinigkeiten; denn wenn man von der einen Seite aus den Spielen
auf den sittlichen und politischen Zustand einer Nation schließen kann,
so darf man von einer anderen, aus jener genauen Verbindung, den Schluß
[ziehen], daß die Spiele auf den Charakter merklichen Einfluß haben
werden, daß sie daher zu den Erziehungsmitteln ganzer Nationen gehören.
Ich...glaube aber, daß es für jung und alt kein ernsteres Studium
nach der Geistesbildung geben könne, als das, was auf Gesundheit, Ausbildung
des Körpers und Heiterkeit des Geistes hinzielt, weil ohne diese die Geistesbildung
wenig nützt, sondern als ein totes Kapital daliegt, an dem der Rost nagt.
Und wer wirklich der Meinung ist, daß man die Stunden, wo es mit ernster
Anstrengung des Geistes nicht mehr fort will, stets zu irgend etwas Nützlichem,
z. B. zum Zeichnen, Klavierspielen, zum Ordnen der Insekten und Mineralien und
dergleichen anwenden müsse, der hat von der Ökonomie sowohl des jugendlichen
als erwachsenen menschlichen Körpers keine richtige Vorstellung, er weiß
das Nützliche nicht gegen das Nützlichere gehörig abzuwägen;
er zieht den Mond der Sonne vor, weil er so sanft ist und das Öl der Gassenerleuchtung
erspart.
Sollten aber junge oder
alte Gelehrte und Jugendbildner einen Skandal darin finden, mit der Jugend zu
spielen, so verweise ich sie auf Heraklit, der am Dianentempel zu Ephesus die
Knabenspiele als Mitspieler ordnete; auf Sokrates, wie er mit der Jugend spielt,
auf Scaevola, Julius Caesar und Octavius, die studiosissime Ball spielten, auf
Cosmus von Medici, der seinem kleinen Enkel auf öffentlichem Platze die
Pfeife verbesserte, auf Gustav Adolf, der mit seinen Offizieren Blindekuh spielte
usw.
Spiele bilden auf die mannigfaltigste
Art den Gang des menschlichen Lebens mit einer Lebhaftigkeit im Kleinen nach,
die sich auf keinem anderen Wege, durch keine andere Beschäftigung und
Lage der Jugend erreichen läßt. Denn nirgends ist die Jugend in ihren
Handlungen, in ihrem ganzen Betragen so wenig von Seiten der Erwachsenen beschränkt,
nirgends handelt sie daher natürlicher, freier und dem Gange des menschlichen
Lebens gleichlautender als hier.
Spiele verbreiten im jugendlichen
Kreise Heiterkeit und Freude, Lust und Gelächter. Wären alle Menschen
stets lustig und vergnügt, sicher würde nicht so viel Böses geschehen.
Mürrische Laune ist nicht die Stifterin des Guten und Angenehmen; ja schon
ein stets ernsthafter Charakter ist weniger moralisch vollkommen als der aus
Ernst und Scherz lieblich gemischte, bei gleicher Herzensreinheit. Die Anlage
von allen dreien wird angeboren, aber die Ausbildung liegt in Erziehung und
in erziehenden Umständen. Immer bleibt es doch ratsam, die Jugend in einem
heiteren, fröhlichen Ton zu erhalten und selbst Spiele zur Beförderung
desselben in die Erziehung aufzunehmen.
„Je mehr sie zum Lachen reizen", sagt Basedow von den Spielen, „desto
zweckmäßiger sind sie. Ich wollte, daß auch die Erwachsenen
sowohl unter den geringeren als vornehmeren Ständen mehr scherzten und
lachten als [es] geschieht. -Das Lachen ist eine menschliche Handlung, die sowohl
Leib als Seele übt und stärkt, und muß also ihre Zeit haben,
was auch die blödsinnigen und gallsüchtigen Andächtler davon
sagen mögen." Er gibt sogar einem Verleger den Rat, ein Werk von vier
bis sechs Alphabeten unter dem Titel: „Die unschuldigen Lacher" zu
übernehmen.
Spiele sind nötig zur
Erhaltung der Gesundheit, zur Stärkung, Übung, Abhärtung des
jugendlichen Körpers. Daß hier weder von Karten noch Würfeln
und Hasardspielen die Rede sei, sondern einzig von Bewegungsspielen im Freien,
versteht sich von selbst. Ich habe sehr vielfältig und lange Gelegenheit
gehabt, den Einfluß dieser Spiele sowie der Leibesübungen überhaupt
auf manchen Verweichlichten, Furchtsamen, körperlich Bequemen, Untätigen
und Ungeschickten zu beobachten und ihn immer vortrefflich gefunden. Da ich
hierüber schon vieles in meinem Buche über die Leibesübungen
gesagt habe, so fällt hier alle weitere Auseinandersetzung weg.
Kein Spiel sei endlich leer
von allem Gehalt, von allem Nutzen; niemand handelt gern ohne Absicht. Spiele
müssen daher Übungen sein, die für die Jugend (für die Alten
auch) auf irgendeine Art vorteilhaft sind. Sie müssen den Körper bald
mehr, bald minder bewegen und seine Gesundheit [fördern] , es geschehe
nun durch Laufen, Springen usw. oder durch fröhliches Lachen und sanftere
Bewegung. Sie müssen Schnelligkeit, Kraft und Biegsamkeit in die Glieder
bringen, den Körper bald zufällig, bald absichtlich gegen Schmerz
abhärten und bald diesen, bald jenen Sinn in lebhafte Tätigkeit setzen.
Sie müssen für die Jugend unterhaltend sein, bald ihre Erwartung,
bald ihre Ehrliebe, bald ihre Tätigkeit spannen, bald ihre zu große
Empfindlichkeit abstumpfen, ihre Geduld prüfen, ihre Besonnenheit und ihren
jugendlichen Mut gewissermaßen auf die Probe stellen. Sie seien endlich
Übungen für Beobachtungsgeist, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Phantasie,
Verstand usw.
Die Tätigkeit des Geistes,
die ohne Ausnahme bei allen Spielen stattfindet, wirkt durch die verschiedenen
Erkenntniskräfte, bald durch die Phantasie, bald durch das Gedächtnis,
bald durch den Witz usw. Wenn auch diese Kräfte in ihren Äußerungen
nie völlig getrennt erscheinen, sondern, wie die Teile einer Maschine,
immer in einer gewissen Verbindung wirken, so zeigt sich doch bald diese, bald
jene allein, oder mit einer anderen gemeinschaftlich vorzüglich wirksam.
Hierdurch entstehen die verschiedenen Ordnungen der Spiele, nämlich:
1. Spiele des Beobachtungsgeistes und des sinnlichen Beurteilungsvermögens,
2. Spiele der Aufmerksamkeit,
3. Spiele des Gedächtnisses,
4. Spiele der Phantasie und des Witzes,
5. Spiele des Verstandes und der höheren Beurteilungskraft,
6. Spiele des Geschmacks.
Kurz, man beweise erst streng
und redlich, daß die Bildung des Körpers eine Posse sei, die für
uns nichts wert ist, daß unser Geist des Körpers nicht bedürfe,
daß dieser auf unsere Tätigkeit, auf unseren Charakter und auf Belebung
oder Erstickung des göttlichen Funkens, der in uns glimmt, gar keinen Einfluß
habe; wenn man das getan, die Forderungen der Natur, der größten
Ärzte und der denkendsten Männer widerlegt haben wird, dann will ich
schweigen und einsehen lernen, daß ich Torheit gepredigt habe, dann will
ich gern behaupten, daß man die Zeit zur Erholung wohl edler als zu Spielen
und Leibesübungen verwenden könne.
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